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Das Wochenbett

29. Juni 2020

Was du wirklich über die Zeit im Wochenbett wissen musst!

Dein Kind ist gerade auf der Welt und jetzt fragst du dich, was im Wochenbett alles auf dich zukommt? Was du tun kannst, wenn etwas nicht nach Plan läuft oder dein Kind sich nicht beruhigen lässt? Die Zeit des Wochenbetts beginnt sobald die Plazenta geboren ist und läuft dann bis zur 8. Lebenswoche deines Kindes. In dieser Zeit und während der gesamten Stillzeit hast du Anspruch auf Hebammenhilfe. Tipp: Bitte kümmere dich bei Bekanntwerden deiner Schwangerschaft sofort um eine Hebammenbetreuung für vor und nach der Geburt, da wir zur Zeit einen großen Hebammenmangel haben!

Im Folgenden werde ich dir mein, auf meiner Erfahrung als Hebamme, basierendes Wissen rund ums Wochenbett mitgeben.

Bindung aufbauen

Es ist im Wochenbett entscheidend, dass du von Geburt an die Bindung zu deinem Kind stärkst. Die Bindung, die wir als Kinder zu unseren Eltern erlebt haben, begleitet uns unser gesamtes Leben. Es bestimmt darüber, welche Bindung wir zu uns selbst haben und wie bzw. ob wir Bindungen zu anderen Menschen eingehen können. Manche Menschen glauben, sie hatten ein liebevolles Zuhause, da sie immer Kleidung, Essen und ein Dach über dem Kopf hatten. Natürlich braucht ein Kind diese Dinge, um zu überleben. Damit aus unseren Kleinen aber herzoffene Erwachsene gedeihen, die mit Vertrauen, Selbstbewusstsein und der Fähigkeit tiefe Bindungen zu Anderen einzugehen durch diese Welt gehen, braucht es mehr!

Es bedarf körperliche Nähe, d.h. immer wieder kuscheln und tragen und das nicht nur, wenn sie noch klein und niedlich sind, sondern auch wenn sie älter werden. Hinzukommt die Herzverbundenheit, also dass du nicht nur physisch für dein Kind da bist, sondern es spürt und hört, dass es einen festen Platz in deinem Herzen hat. Hierfür ist es wichtig, dass wir über unsere Gefühle sprechen und die Bedürfnisse unserer Kinder ernst nehmen und nach Möglichkeit auf diese eingehen. Gerade Babys brauchen absolute Bedürfniserfüllung und können noch nicht warten. Sie signalisieren uns mit Schreien: Jetzt brauche ich dich für essen, schlafen, kuscheln usw. Es ist essentiell, dass wir oder ein Helfer auf diese Bedürfnisse eingehen. Ignorieren wir die Bedürfnisse eines Babys, indem wir es z.B. immer wieder minutenlang schreien lassen, unterbrechen wir die Bindung zu ihnen und sie verlieren ihr Urvertrauen!

Ruhe

Dieser Punkt wird, meiner Erfahrung nach, im Wochenbett immer wieder missachtet. Dabei ist Ruhe mit einer der wesentlichsten Aspekte in der Zeit des Wochenbetts!

Der Körper der Frau braucht Ruhe, um sich von der Schwangerschaft und Geburt zu erholen. Eventuelle Geburtsverletzungen brauchen Zeit zu heilen. Die Milchbildung und Stillen kostet dem weiblichen Körper extrem viel Energie. Außerdem bildet sich die Gebärmutter zurück, wofür maximale Entspannung notwendig ist.

Der Hauptfokus sollte auf dem gemeinsamen Ankommen als Familie liegen und auch das bedarf absoluter Ruhe zusammen. Du bist als Mama oder Papa jetzt mit Schlafmangel konfrontiert, was zusätzlich Kraft kostet. Zudem habt ihr einen winzigen Säugling zu versorgen, der rund um die Uhr Bedürfnisse hat, wie Wickeln, Stillen, Tragen, Kuscheln usw. Bitte unterschätzt das nicht, nehmt euch ausgiebig Zeit zu dritt oder viert und setzt euer Zusammenwachsen an erster Stelle! Ihr legt damit die Grundlage für die nächsten Jahre.

Und last but not least braucht gerade euer kleinstes Familienmitglied ganz viel Ruhe, um in dieser Welt anzukommen. Es hat zu tun mit Verdauung, atmen und vor allem Reizverarbeitung. Alle Sinne funktionieren außerhalb des Mutterleibes ja ganz anders. Dein Kind nimmt nun Reize direkt über die Haut wahr, riecht, sieht, schmeckt und hört ganz anders als in der Gebärmutter. All das müssen diese kleinen Wesen erst einmal verarbeiten und es hilft ihnen enorm, wenn wir alle anderen Reize so gering wie möglich halten. Es entspannt den gesamten Alltag und erst recht die Nächte mit einem Neugeborenen extrem, wenn wir ihnen einen ruhigen, entspannten Ort schaffen, an dem sie ankommen können.

Nehmen wir den Faktor Ruhe im Wochenbett nicht ernst, kann dies schnell zu Stillproblemen, Rückbildungsstörungen, Stress, unruhigen Säuglingen und Spannungen in der gesamten Familienstruktur führen.

Hilfe für das Wochenbett

Wie oben erwähnt, ist es wichtig, dass du dich frühzeitig um eine Hebamme kümmerst, diese wird dir in der Zeit des Wochenbetts mit Rat und Tat zur Seite stehen, Fragen beantworten und falls Schwierigkeiten auftreten, diese gemeinsam mit dir lösen!

Allerdings ist es entscheidend, dass du dich darüber hinaus um Hilfe bemühst und das am besten schon vor der Geburt deines Kindes. Vielleicht hast du Eltern in der Nähe oder Geschwister, Freunde oder suchst dir professionelle Hilfe in Form einer Haushaltshilfe oder Ähnliches.

Es ist erstaunlich wie beschäftigt wir mit einem Säugling sind, der ja noch so viele Stunden täglich schläft. Dies merken wir besonders dann, wenn unsere Partner nach 2 oder 3 Wochen wieder zur Arbeit müssen und wir es einfach nicht schaffen zu duschen, geschweige denn zu essen…

Aber auch die frischgebackenen Papas sollten ihre wertvolle freie Zeit nicht ausschließlich mit Kochen und Haushalt verbringen. Auch sie brauchen Zeit und Ruhe in ihre Rolle reinzufinden. Deswegen ist es toll, wenn ihr einen oder mehrere Helfer habt, die für euch mitkochen und mal das Bad putzen oder eine Wäsche aufsetzen!

Vielleicht fällt es dir schwer um Hilfe zu bitten. Ich möchte dich dennoch ermutigen, da ihr alle drei, wie gesagt, viel Ruhe benötigt um zu heilen, zusammenzuwachsen und anzukommen. Die Qualität der Anfangszeit wirkt sich auf die folgenden Monate und Jahre in hohem Maße aus! Zudem helfen Freunde und Familie dir gern, meistens wissen sie nur nicht wie genau diese Hilfe aussehen könnte. Deshalb schildere klar deine Bedürfnisse und nimm Hilfe an!

Stillen und das Wechselspiel der Hormone

Ich denke dir ist bereits bekannt, dass Muttermilch alles enthält, was dein Kind zum Wachsen und Nähren benötigt. Die Vielfalt der Inhaltstoffe der Muttermilch können mit Ersatzmilch nicht annährend nachgeahmt werden, dennoch gibt es viele Gründe, warum manche Frauen nicht stillen möchten. Das ist in Ordnung. Wenn es dir so geht spreche mit deiner Hebamme darüber.

Wenn du dich für Pre-Nahrung anstatt Muttermilch entscheidest, möchte ich dich bitten diese möglichst in engem Körperkontakt zu füttern und immer wieder auch in direktem Hautkontakt. Denn dieser enge Kontakt, der beim Stillen automatisch integriert ist, ist ein Grundbedürfnis jedes Säuglings.

Stille oder füttere dein Kind immer nach Bedarf und nicht in einem bestimmten Rhytmus. Beachte nur: Nicht immer wenn ein Säugling schreit, ist es hunger. Probiere gern etwas herum, vielleicht muss es mal, will kuscheln, oder einfach nur herumgetragen werden. Es dauert oft viele Wochen, eh ein Kind einen Rhytmus bekommt und auch dieser ändert sich dann immer wieder.

Nach der Geburt kommt es zu einer Umstellung des Hormonhaushaltes. Dies ist ganz normal, denn am 3-5 Wochenbetttag stellt sich der Körper vom Schwangerschaftsmodus auf Stillmodus um. Dies kann für viele Frauen als sehr anstrengend empfunden werden. Vielleicht fühlst du dich dann sehr weinerlich, hast Ängste oder bist überfordert. All das darf sein. Spreche mit deinem Partner oder deiner Hebamme darüber. Dieser Hormonblues geht in der Regel innerhalb der ersten Tage bis zwei Wochen wieder vorbei. Als Partner kannst du nun einfach da sein, deine Liebste in den Arm nehmen und ihr gut zureden.

Milchstau

Ein Milchstau tritt bei vielen Frauen im Wochenbett oder in der Stillzeit auf. Dies ist erstmal gar nichts gravierendes. Du merkst dies daran, das deine Brust – meist ist dies nur eine zur Zeit – weh tut, hart ist, warm oder auch gerötet. Manche Frauen bekommen auch Fieber und Schüttelfrost. Bitte informiere in diesem Fall deine Hebamme oder fahre zu einer Hebammensprechstunde in eine Hebammenpraxis, um entsprechende Hilfe hierbei zu bekommen. Ein Milchstau lässt sich in der Regel sehr leicht, mit ein paar Hilfsmitteln, lösen. Es ist nur entscheidend, dass du dir möglichst schnell Hilfe holst. Solltest du nachts merken, dass du einen Milchstau bekommst, dann kannst du einfach am nächsten morgen deine Hebamme kontaktieren. Ursache für einen Milchstau sind häufig psychischer oder physischer Stress. Ganz wichtig ist in diesem Fall, dass du dich vollkommen ausruhst. Also ab ins Bett! Und bitte weiter stillen!

Wenn das Neugeborene nur noch schreit!

Fast alle Eltern kennen das: Das Baby schreit und schreit und nichts hilft so wirklich. Diese Tage gehören auch im Wochenbett dazu! Nun kann es sehr gut sein, dass dein Kind einen Wachstumsschub hat. In dieser Zeit sind viele Neugeborene sehr unruhig. Außerdem kann es sein, dass neue Reize vom Tag verarbeitet werden müssen, auch dies kann dazu führen, dass unsere Kleinen völlig aufgelöst sind.

Wenn nichts mehr hilft, ist meine Empfehlung, zum Einen Stillen, denn das Saugen beruhigt dein Kind. Du kannst es auch in ein Tragetuch bzw. Trage binden. Die Enge, dicht am Körper von Mama oder Papa, erinnert es an die Zeit im Mutterleib und wirkt oft sehr entspannend auf das Kind. Daher ist ein Tragetuch bzw. eine Trage in meinen Augen mit die sinvollste Anschaffung als Eltern. Hast du deinen Säugling in die Trage gebunden, habe bitte einen Moment Geduld, viele Babys schreien anfangs sehr und beruhigen sich nach ein paar Minuten Bewegung vor dem Bauch der Eltern.

Sollte auch dies nicht helfen, hilft oftmals einfach nur Dasein, Geduld und liebevoller Zuspruch. Grundsätzlich gilt, wenn du das Gefühl hast, deinem Kind könnte ernsthaft etwas fehlen, dann hole dir Hilfe. Denn du bist der Experte für dein Kind!

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Von Herzen, Eure Merle