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Familienleben in aufwühlenden Zeiten

4. April 2020

Das öffentliche und gesellschaftliche Leben ist nun mittlerweile fast auf Null heruntergefahren worden. Dadurch bietet sich für Viele von uns nun die Möglichkeit Runterzukommen und eine Bestandsaufnahme machen zu können. Wie können wir mit der für uns Allen neuen und einmaligen Situation umgehen, was unsere Zeit mit der Familie, beim Job – im Betrieb oder im home office – und mit uns Selbst betrifft? Wie können wir kreative Lösungen und Neuausrichtungen finden und gestalten?

Ich habe das Gefühl, dass die Welt da draußen zur Ruhe kommt und inne hält. Als ich gestern mit den Kindern draußen in der Natur unterwegs war, konnte ich die Ruhe förmlich spüren. Es hatte gar etwas von friedlicher Stille. Es scheint mir so, als wenn die Erde uns einen Rahmen vorgibt, in uns gehen zu können.

Zur Ruhe kommen

So können wir uns selbst wieder näherkommen und für unser Wohlergehen die Verantwortung übernehmen. Diese Zeiten können auch neue kreative Potentiale freisetzen und neue Wege des Zusammenlebens und Arbeitens können eingeschlagen werden. Für uns ist es besonders spannend Familie und Arbeit so zu verbinden, dass wir Rücksicht auf die Bedürfnisse sowohl von Einzelnen, als auch von uns als Familie nehmen können. Das praktizieren und üben wir ja nun schon seit einiger Zeit, aber durch die aktuelle Lage ist es auch für uns deutlich intensiver und es bedarf großer Achtsamkeit, die feine Balance aufrecht zu halten.

Wir haben unsere Strukturen und Routinen angepasst und bessern so schnell wie möglich nach, wenn sich etwas als nicht (mehr) praktikabel erweisen sollte. Ein liebevoller Umgang mit uns Selbst und unseren Kindern rückt nun noch mehr ins Bewusstsein. Wir können durch unser Verhalten als Eltern in dieser spannenden Zeit unseren Kindern ein Vorbild sein. Indem wir mit Zuversicht und Lebensfreude an die Lebensumstände herantreten und aktive Selbstverantwortung übernehmen und Vorleben. Es hilft halt niemandem, wenn wir in Angst verfallen und uns Sorgen um die Zukunft machen würden. Jede vermeintliche Krise bietet eine Chance auf einen Neustart oder eine Richtungsänderung. Vielleicht können wir jetzt unser Familienleben dauerhaft neu ausrichten und mal Dinge ansprechen und auflösen, welche im hektischen Alltag verdrängt wurden und nie hätten aufgelöst werden können.

Angepasster Rhythmus

Merle und ich haben ja auch schon vor der aktuellen Lage viel Zeit mit den Kindern und uns verbracht. Wir haben nun unseren Rhythmus genau an die jetzige Situation angepasst. Wir wechseln uns in einem für uns optimalen Verhältnis zwischen Arbeit und Kinderbetreuung ab. Jeder von uns kann ein mal pro Woche ausschlafen. Wir können uns je ein mal in der Woche eine ca. drei stündige Auszeit nehmen und dann etwas nur mit und für uns zu machen. Merle geht dann gerne in die Badewanne und schaut sich einen Film oder eine Serie an und setzt sich gerne nach draußen auf den Balkon und genießt die Sonne und die frische Luft.

Ich gehe in meiner Auszeit sehr gerne raus in die Natur und genieße die Ruhe und die Energie. Entweder laufe ich durch Wald und Wiesen oder gehe dort spazieren und lasse die Eindrücke auf mich wirken. In dieser Zeit verzichte ich bewusst auf Medien aller Art, weder Musik beim Laufen noch am Smartphone Spielen beim Spazierengehen. Ich nehme die Stimmung der Natur auf und spüre in mich hinein. Wie wirkt sich die Energie auf meinen Körper und mein Feld aus? Ich merke dann oft, wie ich regelrecht runter fahre und ich mich entspanne. Ich nehme meine Füße und meinen Atem wahr und beobachte, wie es fließt.

Die Familie profitiert

Durch die Auszeiten haben wir dann beide wieder die nötige Power um möglichst gelassen und souverän in unserem Familiensystem unseren Part einzunehmen. Die Kinder spüren das natürlich auch und so entsteht eine win – win Situation für uns alle. Den gleichen Effekt hat das Ausschlafen, wodurch wir Kraft tanken können und ausgeglichener werden. Fünf mal pro Woche können wir auch nach Bedarf einen Mittagsschlaf zwischen 15 und 30 Minuten einlegen, welchen wir nacheinander in der Regel direkt im Anschluss an das Mittagessen halten. Dadurch sind wir gut für die zweite Tageshälfte energetisiert um Arbeit und Kinder achtsam zu berücksichtigen.

Ein mal pro Woche führen wir seit Jahren ein Zwiegespräch. Hierbei hat jeder von uns je nach Themen fünf bis zehn Minuten freie Redezeit, kann seine Eindrücke der vergangenen Woche schildern und seine Gefühlslage ausdrücken. Wie geht es dir? Was ist gut gelaufen? Was eher nicht so gut? Was können wir ggf. ändern und/oder anpassen, um für uns alle eine zufriedenstellende Lösung zu finden? Diese Gespräche sind sehr bereichernd und können Stress und Anspannungen auflösen, bevor die Dinge sich emotional aufschaukeln und es irgendwann durch eine Bemerkung oder einen Kommentar zu Explosion kommt. Sicherlich kommt es bei uns trotzdem zu Meinungsverschiedenheiten und heftigen Diskussionen. Denn diese gehören nun mal auch zum Zusammenleben dazu und sind gesund. Wir handeln halt als Menschen oft sehr emotional aus einem Impuls heraus, welcher uns triggert. Wir halten es allerdings für wichtig und richtig im Anschluss Differenzen zu klären und Konstruktives mitzunehmen.

Die folgenden beiden Punkte sind aufgrund der Einschränkung des öffentlichen Lebens aktuell nicht möglich, wir möchten sie dennoch als Inspiration mit erwähnen. Einen Abend pro Woche kann jeder von uns etwas unternehmen und sich mit Freunden treffen oder zum Sport in der Gruppe gehen. Wir halten es für wichtig sich mit Anderen auszutauschen und nicht immer aufeinander zu hocken. Alle 14 Tage, nehmen wir uns eine Paarzeit, um auch mit zwei Kindern ausdrücklich ein Paar zu bleiben und eben nicht nur in der Elternrolle zu sein. Dafür kommen für einen Tag die lieben Großeltern ins Spiel, um uns dies zu ermöglichen. Dafür sind wir euch sehr dankbar! So können wir in unserem Zusammenleben respektvoll und liebevoll mit unseren Lieben und uns Selbst umgehen. Wir haben diese Gewohnheiten etabliert und wissen diese sehr zu schätzen.

Für mich konnte ich in den letzten zwei Wochen bereits beobachten, dass mein Verhältnis zu Lilli, obwohl ich schon immer viel Zeit mit ihr verbracht habe, sich noch mehr gefestigt hat. Einige Dinge, welche sonst immer Mama vorbehalten waren – zumindest seit unsere Liese da ist – kann jetzt auch Papa erledigen. Zum Beispiel kann ich Abends die Gute Nacht Geschichte zum Herunterfahren vorlesen. So etwas ist für mein Vaterherz eine wahre Freude.

Ich empfinde unseren Tagesablauf als eine runde Sache. Unser System funktioniert gut und ich fühle mich produktiv und körperlich und geistig fit. Wenn ich beim Arbeiten am Computer müde werde oder mich nicht mehr konzentrieren kann, dann rolle ich die Matte aus und mache Sport. Das freut meinen Körper und der Kopf wird auch wieder frisch. Alternativ gehe ich eine Runde um den Block und schnappe frische Luft. Dieser Wechsel fördert bei mir auch enorm die Kreativität und hilft mir um die Ecke denken zu können.

Gelegenheiten nutzen

Es hilft jedem Einzelnen sehr, in dieser Zeit der sozialen Isolation zu lernen, auch kleine Momente als Pausen oder selfcare zu sehen. Beispielsweise morgens beim lüften fünf tiefe Atemzüge nur für mich zu nehmen, mein Heißgetränk am Morgen oder am Nachmittag sitzend auf dem Boden oder Sofa zu genießen, zusammen mit den Kindern ein Buch im Liegen anzuschauen, sich beim gemeinsamen Spaziergang an der frischen Luft und dem Kontakt mit der Natur zu erfreuen, immer mal wieder seufzen, das entspannt das gesamte Körpersystem, eine leckere Schokolade im Haus zu haben, um immer mal wieder den herrlichen Geschmack von Schokolade auf der Zunge zu schmecken, beim Pipi machen ein paarmal in den Bauch atmen und viel zusammen herumalbern und lachen trägt unheimlich zur Entspannung aller Familienmitglieder bei. Das sind wirklich wunderbare Möglichkeiten, wenn man von zu Hause aus arbeiten kann und die Familie um sich hat.

Wie ihr seht, kann man sich die Dinge super einrichten und sich zu jeder Situation etwas einfallen lassen. Wir müssen uns nicht immer den Umständen anpassen sondern können die Umstände an uns anpassen. Wir sind keine Opfer der äußeren Umstände, wir können mit Optimismus etwas neues schöpfen und eine Veränderung herbeiführen.

Also bleibt im entspannten home office Flow,

Herzlich,

Euer Dirk

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